Schwarz-Rot Aachen - Handballjugend

Gründung der Handballjugend 1960 im Ostviertel

Das Aachener Ostviertel ist seit über 100 Jahren ein Arbeiterviertel. Die großen Industriebetriebe Philips, Englebert, Pongs, Rhein-Nadel, um die größten in Aachen zu nennen, gehören zu diesem Viertel, auch wenn sie jetzt teilweise andere Firmennamen haben. In ihrer Nähe entstanden Mietwohnungen, teilweise Siedlungen für diese Arbeiter. Weil hier keine finanzkräftigen Leute wohnten, wurden Kriegsschäden lange nicht behoben und blieben Ruinen erhalten. Der Mittelpunkt war die Gelbe Kaserne, deren ausgebombten Mauern bis in die ´70er Jahre noch hoch in den Himmel ragten und in denen Familien sich ein Zuhause errichtet hatten. Das "Bienenhaus", ein Eckhaus in der Düppelstraße, beherbergte über 50 Familien auf 5 Etagen mit je einer Wasserstelle und Gemeinschaftstoiletten je Etage, um nur die auffälligsten Kriegsnachlässe zu nennen.

In diesem Viertel war und ist "Schwarz-Rot" Aachen beheimatet. 1960 war in diesem kinderreichen Wohnviertel nur die konfessionelle Jugendarbeit von St. Fronleichnam und St. Josef mit dem DJK-Verein "Aufwärts" neben der Fußballjugend von "Schwarz-Rot" aktiv, als die Herren-Handball-Mannschaft sich entschloss, mit Jugendarbeit zu beginnen. Ausgelöst wurde dies durch die damalige "Kath. Volksschule Düppelstraße", die ihre Schulmannschaft nach dem Gewinn einer Stadtmeisterschaft als Kern zur Bildung einer Nachwuchsarbeit anbot. Ein angehender Sozialarbeiter, Mitglied der Herren-Mannschaft, übernahm diese Gruppe. Wegen mangelnder anderer Angebote und durch ihren Erfolg wuchs die Handballjugend explosionsartig. Nach zwei Monaten waren aus einer Mannschaft zwei, nach vier Monaten vier und nach 10 Monaten 6 Mannschaften entstanden. 1971 übernahm die Handballjugend eine Mädchen-Mannschaft des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Auch der weibliche Bereich entwickelte sich ebenso positiv, so dass 1976 daraus die Damen-Abteilung im Verein "Schwarz-Rot" Aachen entstand. "Schwarz-Rot" Aachen hatte sich zur größten Jugendabteilung im Verband entwickelt.

Das Ostviertel heute, die Handballjugend heute.

Die soziale Situation im Ostviertel ist hoch explosiv und in Aachen mit keinem anderen Stadtteil zu vergleichen. Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosenunterstützung und -hilfe sowie der sozialhilfebeziehenden Personen ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt in anderen Wohnbereichen Aachens. Die Stadtverwaltung berichtete darüber ausführlich. Die türkische Bevölkerung hat sich verdichtet, die türkisch spezifischen Angebote wie Gebetsstätten, Treffpunkte und Geschäfte vermehrt. Doch außer dem Kulturverein und den Koranschulen gibt es keine Angebote für ihre Kinder und Jugendlichen. Von den Koranschulen kamen in der Vergangenheit seitens der Kinder mehrmals recht negative Äußerungen. In unserem Verein "Schwarz-Rot" war vor einigen Jahren die Arbeit der Fußballjugend zusammengebrochen, die Kinder wurden von einer benachbarten Fußballjugend aufgefangen. Diese brach vor kurzer Zeit zusammen. Erst in den letzten beiden Jahren wurde die Fußballjugend "Schwarz-Rot" Aachens wieder aufgebaut und hat eine starke Gruppe von Kindern und Jugendlichen türkischer Abstammung, aber auch anderer arabischen Staaten in ihren Reihen.

Weitere Angebote für Kinder und Jugendliche gibt es in der "Offenen Tür Josefshaus", der "Kleinen Offenen Tür Schleswigheim", dem Kinderhaus im Kennedypark und in dem teilweise geöffneten "Heim Barbarastraße".

Doch alle diese Angebote werden von der Handballjugend "Schwarz-Rot" Aachens übertroffen. Sie umfasst insgesamt 220 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren und 35 Heranwachsende im Alter bis 25 Jahren wie sie als förderungswürdig nach dem KJHG anerkannt werden. Von den Kindern und Jugendlichen sind 79 Mädchen und 141 Jungen. Diese Zahlen ergeben sich aus der Meldung des Vereins an den Landessportbund, die Grundlage ist für die Berechnung von Versicherungsleistungen und -Beiträgen.

Von den Kindern und Jugendlichen der Handballjugend stammen 18 aus der Türkei, 7 sind Kurden, 8 kommen aus Bosnien, 5 aus dem Libanon, 7 aus Kroatien, 3 aus dem Kongo, 2 aus dem Iran, 4 aus Spanien, 4 aus Griechenland und je 1 aus Jordanien und Vietnam. Aus Polen kommen 7, aus Russland -hauptsächlich Ukraine - 6 unserer jungen Mitglieder.

36 Kinder und Jugendliche stammen aus geschiedenen Ehen, deren Elternteil eine/n neue/n Partner/in haben sowie 24 Kinder und Jugendliche werden von einem alleinerziehenden Elternteil betreut, 2 Kinder sind Pflegekinder.

Mit 17 spielenden Kinder- und Jugend-Mannschaften, zusätzlich einer MINI-Gruppe im Alter von 5 und 6 Jahren und einer SUPER-MINI-Gruppe, 3 und 4 Jahre, ist die Handballjugend die absolut größte Handballjugendabteilung im Verband.

Nach wie vor stammt der Hauptteil der Kinder und Jugendlichen aus dem Ostviertel. Die Sporthallen ihrer Trainingstätigkeiten allerdings liegen in den Stadtteilen Haaren, Burtscheid, Frankenberger Viertel, in Kornelimünster und Würselen. Lediglich die Sportstätten der MINIS und SUPER-MINIS sind in der Stolberger Straße, im Ostviertel. Ein wichtiger Treffpunkt der Handballjugend für außersportliche Aktivitäten ist der Jugendraum am "Schwarz-Rot"-Sportplatz Breslauer Straße.

Die fachliche Kompetenz in der Betreuung

Das Image der Handballjugend bei den anderen Vereinen ist auch weiterhin "der Verein aus dem Ostviertel" verbunden mit der Vorstellung von "Kindern mit geringerem finanziellen Hintergrund" und der "schwierigeren Kinder", um die die Betreuer sich besonders im "sozialen Bereich" bemühen. Der fachlich guten Ausbildung der Betreuer werden die überdurchschnittlichen Leistungen der Mannschaften zugeordnet.

Alle Mitarbeiter arbeiten mit den Kindern und Jugendlichen ehrenamtlich. Georg Hagenau und Egbert Schaffrath (bis zu seinem Tod) sind/waren Sozialarbeiter und arbeitn/arbeiteten in der männlichen Jugend, Meggi Meurer als Sozialarbeiterin in der weiblichen Jugend. Sowohl Meggi Meurer als auch Egbert Schaffrath waren oder sind als Lehrwarte im Verband anerkannt, betreuen und betreuten Auswahlmannschaften, waren und sind bei der Aus- und Weiterbildung von Trainer-innen tätig. Alle anderen Mitarbeiter haben keinen beruflichen Hintergrund in ihrer Trainer- oder Betreuertätigkeit. Interne Ausbildung, trainingsbegleitende Betreuung, eigene Mitarbeit bis hin zu verschiedenen Auswahlmannschaften und autodidaktische Weiterbildung macht die jungen Trainer zu fachlich kompetent Arbeitenden. Ihre Besonderheit trägt dazu bei, dass sie von den jungen Sportlern anerkannt werden. Die Verbindung SozialarbeiterIn als Leiter und Berater im Führungsteam, als Trainer und Betreuer ist optimal für die Bemühungen der Handballjugend um Integration.

Die Integration von Kindern und Jugendlichen ausländischer Mitbürger steht wegen ihrer großen Zahl im Vordergrund. Doch ebenso findet die Gruppe der Aus- und Übersiedler bei uns große Beachtung, da sie in der sozialen Skala der Jugendlichen heute im untersten Bereich angesiedelt sind. Deshalb nahmen wir über eine polnische Aussiedlerfamilie Kontakt nach Schlesien auf und kamen mit einer Grundschule (bis Klasse 8) aus Legnica, früher Liegnitz, in Verbindung. Bisher waren wir fünfmal in Legnica und eine Gruppe von 35 polnischen Kindern viermal in Aachen. Besuch eines Konzentrationslagers in der Nähe von Legnica sowie anderer historischer Stätten gehörten zum Programm in Polen. Aber auch gemeinsame Gespräche über beiderseitige Vorurteile im Gegensatz zu dem gemeinsam Erlebten waren von besonderer Bedeutung. Schließlich fanden wir auch eine sportliche Verbindung nach Breslau. Die aktive Integration von Kindern und Jugendlichen anderer Herkunft in unseren Bereich der Schwarz-Rot Handballjugend gilt uns als besonders wichtig.

Neue Wege im Aufbau der Handballjugend

Der bisherige Zulauf zur "Schwarz-Rot"-Handballjugend regelte überwiegend die "Von-Mund-zu-Mund-Propaganda". So ergab sich, dass einzelne Jahrgänge sehr stark, andere Jahrgänge schwach an Personenzahlen besetzt waren. Mehr zufällig entstanden an Schulen "Handball-Arbeitsgemeinschaften", wenn Kinder oder Eltern sich für die Bildung und Organisation stark machten. Die Erfahrungen, die durch die verschiedenen Handball-AG´s gemacht wurden, führten zu einem Konzept der Handballjugend.

So erreicht die Handballjugend von kleinauf Jahrgangs-Mannschaften - Mannschaften, die aus Spielern des gleichen Geburtsjahrgangs bestehen und über Jahre hinweg zusammenbleiben. Wenn diese Aufbauarbeit über Jahre geleistet wird, erleichtert dies den Gruppenmitgliedern sich voll zu integrieren. Die Betreuer und Trainer können jeder Zeit im sozialen Bereich auf die Strukturen zurückgreifen. Es besteht die Möglichkeit über Jahre am sportlichen Prozess kontinuierlich und aufbauend zu arbeiten.

In allen Altersbereichen mit Ausnahme des Jahrgangs 1988 spielen die "Schwarz-Rot"-Jugendmannschaften in den höchsten Spielklassen ihres Alters. Dies bedeutet, dass die F-, E- und D-Jugend ihre Meisterschaftsspiele im Bereich bis zu 50 km, die C-Jugend im Bereich bis zu 100 km, die B- und A-Jugend im Bereich bis zu 170 km austrägt. Oftmals sind Eltern der beteiligten Kinder und Jugendliche bereit, die Kinder zu transportieren. Doch je älter die Jugendlichen werden desto mehr nimmt das Interesse der Eltern ab.

Zukunftsplanung der Handballjugend

Die Mitglieder der Handballjugend "Schwarz-Rot" Aachens sollen auch weiterhin von der "Mund-zu-Mund"-Propaganda und durch die Handball-Arbeits-Gemeinschaften der Schulen geworben werden. Insbesondere die Ansprache der Grundschulen erfolgt, um eine Wiederspiegelung des Bevölkerungsbildes des Ostviertels und seiner angrenzenden Gebiete zu erhalten.

Von einer breiten Basis strebt die Handballjugend an, zu einer leistungsmäßigen Spitze zu gelangen, möglichst ohne den Bereich "Spaß-Handballer" zu verlieren. Dazu beitragen soll, dass neben einer leistungsorientierten Mannschaft immer auch eine zweite Mannschaft erhalten bleibt, die auch durch außer-handball-sportliche Akzente ihren Bestand sichert. So wird angestrebt Kinder und Jugendliche von F-Jugend-Jahrgangs-Mannschaften an über 12 Jahre bis in den Erwachsenenbereich zu fördern.

Als Grundlage für diesen Weg ist die Qualifizierung des Betreuungspersonals und der Einsatz von bereits qualifizierten Betreuer-innen aus dem Umfeld der Handballjugend von besonderer Bedeutung. So werden Qualifizierungsangebote des Verbandes in Form von Übungsleiter-Ausbildung für die jungen Leute in Anspruch genommen, doch noch wichtiger erscheint für die Handballjugend des Ostviertels eigene Fortbildung durch die Sozialarbeiter der Handballjugend. Ihr berufliches Hintergrundwissen in Verbindung mit der sportspezifischen Ausbildung leitet die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer besonderen Umgebung des Ostviertels optimal an. Angestrebt wird für jede Gruppe zwei Mitarbeiter zu finden, die sich ergänzen.

Welche Jugendmannschaften zurzeit gemeldet sind bzw. die entsprechenden Trainingszeiten der Jugendmannschaften entnehmen Sie bitte der Gesamtübersicht oder aber wenden sich direkt telefonisch an Margret Fidalgo, Tel. 0241/ 15 15 29.

Aachen, im September 2003, Egbert Schaffrath